Miau, ich habe schon davon gehört, dass es auch Katzen gibt die draußen ganz ohne Menschen leben. Und einige Katzen leben mit ihren Menschen zusammen in einem Haus und haben dazu noch ein eigenes „Draußen-Revier“. Dort können sie dann Mäuse und Vögle jagen. Das haben sich meine Menschen mal erzählt, als ich gerade mit meiner Fellpflege beschäftigt war und dabei aufmerksam zuhörte. Sie haben auch überlegt, ob es wohl gut für mich wäre „nur“ eine Wohnungskatze zu sein und gar keine Mäuse und Vögel jagen zu können. Miau – ja, es ist gut für mich! Ich wohne wirklich sehr gerne mit meinen Menschen zusammen in einer Wohnung. Genug zu tun habe ich, als ausgezeichnete Familienkatze, auch schon ohne ein „Draußen-Revier“. Ich hätte gar keine Zeit auch noch Mäuse oder Vögel zu jagen. Und – miau – außerdem gibt es noch einen ganz besonderen Ort der zu unserer Wohnung gehört: Der BALKON.
Der BALKON ist ein ganz wunderbarer Ort. Man gelangt durch eine durchsichtige Tür dorthin. Auf einem Balkon ist man gleichzeitig drinnen und draußen. Unser Balkon hat ein Dach, so werde ich bei Regen nicht nass, kann mir aber die Regentropfen beim runter tropfen anschauen und die Regenluft schnuppern. Außerdem gibt es gemütliche Möbel und Kissen wie in der Wohnung, doch gleichzeitig kann ich die Sonne und den Wind in meinem Fell spüren. Ich kann alles mögliche aus sicherer Entfernung sehen, hören, riechen und beobachten. Ein wirklich faszinierender Ort. Jedes mal wenn ich raus gehe, schaue mich in jeder Ecke gründlich um. Immer wieder kann ich etwas interessantes entdecken. Besonders gerne habe ich raschelnde Blätter auf dem Boden des Balkons. Damit kann man sooo viel anstellen. Rein springen, mit der Pfote durch wirbeln, lauern bis ein Blatt vom Wind weg gepustet wird, um es dann sofort mit einem Satz zu fangen, oder man kann die schönsten Blätter in die Wohnung tragen… ach, ich freue mich schon wieder darauf, miau. Ich denke, so ein Balkon wurde extra für uns Katzen erfunden.
Die Menschen sagen immer, es wäre ihr Balkon. Im Frühling fangen sie immer an, alles mögliche in Töpfe ein- und auszugraben und meine schönen Blätter vom Boden zusammenzufegen. Bei Sonnenschein setzen sie sich auch manchmal eine Weile auf den Balkon und trinken etwas dampfendes. Doch eigentlich bin ich am allermeisten von allen auf dem Balkon!
Miau, meine Menschen haben inzwischen auch sehr gut gelernt, wann sie mich raus und wieder rein lassen sollen. Das klappt schon so gut, dass ich meistens nur einmal das Bein eines Menschen streifen, dann zur Balkontür laufen und dort einmal miauen muss. Dann öffnen sie mir die Tür und ich kann auf den Balkon hinaus. Das haben wir schon im Winter geübt. Und nun im Frühling, wissen die Menschen schon genau Bescheid und wissen was zu tun ist. Miau, da bin ich wirklich sehr stolz auf meine Menschen.
Natürlich habe ich auch auf dem Balkon einiges zu tun und erfülle meine Pflichten wie immer ganz gewissenhaft, miau. Zum Beispiel verjage ich jeden einzelnen Vogel der auf den Balkon fliegt und versucht, eine der Erdbeeren, die Max im Sommer täglich gießt, zu klauen. Alle meine Menschen sind ganz verrückt nach diesen Erdbeeren. Also sträube ich mein Fell und zeige den Vögeln meine spitzen Zähne sobald sie sich nähren. Das wirkt wirklich immer… miau… und ehrlich gesagt bin ich darüber auch jedes mal sehr froh. In so einen Vogel rein beißen (oder was müsste eine Katze sonst tun?) will ich eigentlich gar nicht. Ach ja, apropos rein beißen: In eine Erdbeere habe ich auch schon mal rein gebissen. Wenn meine Menschen die so gerne essen, muss das ja etwas unglaublich leckeres sein – dachte ich. Miau, das war ein Irrtum. Diese komische Erdbeere hat mir überhaupt gar nicht geschmeckt. Was gefällt meine Menschen an diesen Erdbeeren nur so gut?! Also ich bleibe dann doch lieber bei meinem leckeren Futter und dazu schlecke ich immer mal über den einen oder anderen Teller, den ich in der Küche finde. Beim Thema Erdbeern sind unsere Geschmäcker offensichtlich verschieden.
Den Balkon habe ich schon zu jeder Jahreszeit ausprobiert. Die Jahreszeiten habe ich von meinen Menschen gelernt. Es gibt „Frühling“, „Sommer“, „Herbst“, „Winter“ und „schöner Winter“. Bei „schöner Winter“ ist es kalt, es liegt Schnee und die Sonne scheint. Bei „Winter“ ist es nur Kalt, allerdings kann das auch auf „Herbst“ zu treffen. Da sind die Menschen mal wieder ganz schön kompliziert. Miau, wir Katzen unterscheiden einfach nach „kalt“ oder „warm“ und „nass“ oder „trocken“.
Miau, auf dem Balkon habe ich schon so manches erlebt, entdeckt und gelernt. Dort habe ich auch den Schnee kennen gelernt. Das war zu der Jahreszeit „schöner Winter“. Plötzlich war die ganze Welt weiß. Einfach so. Als ich am Morgen aufgewacht bin und mich gerade noch ordentlich putzen wollte, rannte Max schon ganz aufgeregt an mir vorbei und rief: „Schaut mal alle raus, es hat geschneit. Können wir gleich Schlitten fahren gehen?!“. Also habe ich raus geschaut und – miau – so etwas hatte ich noch gesehen alles war weiß. Die ganze Welt. Wo sind die ganzen Farben hin? Ist das denn auch richtig so?! Miau, miau – nun meine Menschen waren gar nicht besorgt. Ich hörte wie sie sich darüber freuten. Mama Lisa erklärte, dass das jetzt „schöner Winter“ wäre und das alle natürlich gleich nach dem Frühstück raus gehen und Schlitten fahren würden. Also das es trotz einer ganz weißen Welt Frühstück geben wird, fand ich schon mal sehr beruhigend. Max hatte noch eine andere Idee. Er rief mich voller Vorfreude und meinte, wir könnten doch noch vor dem Frühstück eine Runde zusammen spielen und auf den Balkon gehen. Miau! Gemeinsam spielen ist natürlich immer eine gute Idee. Da alle so aufgeregt über die weiße Welt waren, wollte ich nun auch unbedingt erkunden was es damit auf sich hat. Zum Glück war auch der Balkon dick mit der weißen Pulverschicht bedeckt. Ich düste also sofort zu Max und habe mich nur ganz kurz gewundert warum Max mit Handschuhen, Schal und Mütze auf dem Balkon wollte. Tür auf und raus in die neue weiße Welt. Und – MIAUUU – was war das denn!?! Kalt und nass. Eisig kalt. Meine Pfötchen froren gleich, die Nase wurde beim schnuppern sofort kalt. Brrr, das gefällt mir ganz und gar nicht – dachte ich sofort und miaute laut. Max brachte mich schnell wieder rein, half mir sogar beim Pfoten trocknen und legte mir mein Lieblingskissen an die Heizung. „Ich glaube Molly mag keinen Schnee.“ erklärte er Papa Jan. Damit hat Max absolut recht. Schnee ist mir viel, viel zu kalt und nass. Sobald der Balkon weiß ist, bleibe ich lieber drinnen und schaue mir die Schneeflocken am Fenster an.
Am aller aller liebsten gehe ich im „Sommer“, also auf katzisch: warm & trocken, auf den Balkon. Manchmal liege ich an einem schönen warmen Sommertag stundenlang in der Sonne und wärme mir das Fell. Natürlich nur wenn alle meine Pflichten, als ausgezeichnete Familienkatze, erfüllt sind. Meine Menschen schauen an solchen Tagen immer mal wieder besorgt nach mir und fragen sich, ob es mir nicht zu heiß wird. Doch da kann ich alle Menschen beruhigen. Wir Katzen stammen nämlich aus der Wüste und lieben und vertragen Wärme immer. Also die Jahreszeit „Sommer“, ist auf dem Balkon einfach fantastisch. Ich kann mich sonnen und wärmen. Ich kann von meinem bequemen Balkonkasten aus, alles mögliche beobachten. Zum Beispiel vorbeilaufend Hunde. Manche von denen regen sich ganz schön auf wenn sie mich hier oben sehen. Dabei ist es doch vollkommen klar das wir uns gar nicht begegnen können, wenn der Hund unten auf dem Fußweg läuft und ich hier oben auf dem Balkon sitze. Nun ja, miau, Hunde sind eben nicht so schlau wie wir Katzen. Ich sehe auch viele Menschen vorbeilaufen. Manche sehe ich oft und manchmal winkt mir einer der Menschen sogar zu. Darüber freue ich mich. Auch meine Menschen setzten sich gerne in die Sonne, am liebsten natürlich mit mir. Sie können das zwar noch nicht so lange wie ich, doch sie trainieren es immer wieder. Papa Jan geht oft auf den Balkon, um seinen Kaffee zu trinkt (schmeckt auch nicht, habe ich schon getestet), dann gehe ich mit ihm zusammen raus und lasse mich gleich noch ausgiebig von ihm kraulen. Außerdem steht im Sommer immer ein Schälchen mit Wasser und ein Topf mit Katzengras auf dem Balkon für mich bereit. Das gefällt mir sehr gut. Zwischen meinen ausgiebigen Beobachtungen, Vögel verjagen, Fell in der Sonne wärmen und Erdbeeren bewachen, nehme ich nämlich gerne mal eine kleine Stärkung zu mir. Miau, ein wahrhaft perfekter Katzenort.
Auch im „Herbst“ bin ich gerne auf dem Balkon. Jedenfalls wenn es nicht regnet und stürmt. Wenn die Sonne scheint, wärme ich mir gerne mein Fell in der Herbstsonne und schaue dabei zu wie die ersten Vögel nach Süden ziehen. Für mich als Katze ist das wirklich sehr unterhaltsam. Außerdem ist es die Zeit, in der die vielen tollen Laubblätter auf dem Balkon landen und mit denen eine Katze sooo viel anstellen kann.
Im Moment ist „Frühling“. Die Menschen haben schon wieder einiges auf dem Balkon hin und her geräumt und ein- und ausgegraben. Miau, ich schaue gerade nach, ob meine Lieblingsplätze noch in Ordnung sind… Oh, ich glaube ich höre die Stimmen von Max und Mama Lisa. Sie kommen nach Hause. Zum Glück hat Papa Jan die Balkontür offen gelassen bevor er zum Einkaufen gegangen ist. So kann ich ungehindert in den Flur düsen, wo ich pflichtgemäß meine Menschen begrüßen werden. Doch danach lege ich mich bis zur Fütterung noch ein bisschen in den warmen Blumenkasten auf dem Balkon, miau.

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