Nimm hin was du nicht ändern kannst, ändere mit Mut und Bedacht was sich ändern lässt und unterscheide mit Weisheit das eine von dem anderen. So könnte eine säkulare Variante des bekannten Gelassenheitsgebets lauten. Zumindest sind es Gedanken dieser Art die auftauchen wenn mal wieder kindverursachte Wartezeit entsteht oder irgendwelche Schikanekarten des Universums auftauchen.
Bei uns gibt es sehr oft die Wartezeit. Wie lange kann es denn nur dauern aufzustehen und sich anzuziehen?! Natürlich weiß ich, wie auch schon an anderer Stelle beschrieben, dass es sich bei unserem neurodegenerativen Kind nicht nur um Trödligkeit handelt auch wenn das sichtbare Ergebnis das selbe ist. Mit ist in der Theorie klar, dass gerade morgens es einfach nicht schneller möglich ist. Der Übergang von Nacht zu Tag muss erstmal geschafft werden und auch das Umziehen kann man einfach mal als weiteren Übergang mitzählen. Zudem ist es zugegebenermaßen an Schultagen auch wirklich früh am Morgen und ehrlicherweise ist auch sonst niemand von uns ein Morgenmensch.
So ergibt sich in der Praxis morgens also folgende Situation: Das Kind aus dem Bett zu bekommen dauert und muss (Stand jetzt) noch zwingend mittels durchgehender Anwesenheit begleitet werden, bis das Kind das Bett verlassen hat. Anziehen dauert zwar die erwähnte und gefühlte Ewigkeit, wird inzwischen jedoch selbstständig erledigt. Zudem trinke ich morgens gerne grünen Tee, gerne kurz in Ruhe sitzend und als Start in den Tag. Die Tage an denen ich morgens für das Kind zuständig war, starteten also mit einem ewigen hin und her rennen zwischen Kind im Bett und Tee in der Tasse, sowie Katze füttern, Spülmaschine ausräumen und eben irgend etwas, jedoch niemals mit der ersehnten Tasse Tee in Ruhe an einem Ort sitzend.
Die Lösung, eigentlich viel zu simpel, um sie als solche anzupriesen: Nimm die Situation hin, versuche es nicht mit einem perfekten Ablauf, sondern nutze die Zeit dort, wo sie sich sowieso als vermeintliche Verschwendung ansammelt – trinke den Tee im Kinderzimmer, während du das Kind weckst und beim aufstehen begleitest. Für mich ein sehr guter Weg und viel mehr als ein Kompromiss, um gut in den Tag zu starten. Dabei gelingt sowohl das für mich notwendigem Ritual des Tee trinken im sitzen, als auch die für das Kind notwendige Aufstehbegleitung mit durchgehender Anwesenheit im Raum. Und als Bonus muss man bei diesem Weg nicht noch früher aufstehen 😉. Dies ist unserer Variante für Schul- und Arbeitstage. Am Wochenende steht das Kind inzwischen (zumindest meistens) ohne Begleitung auf. Auch hier gibt´s natürlich diverse neurodivergenz-freundliche Absprachen und Abläufe, doch ist ist ein anderes Thema.
Natürlich gibt es noch viel mehr Möglichkeit, welche vom Kind gerne genutzt werden, um zu trödeln und dabei wahlweise die Hälfte der zu Erledigenden Aufgabe zu Vergessen. Der Weg ist immer ähnlich: Vorbereiten, erinnern, genug Vorlaufzeit geben, für extreme Klarheit sorgen, vielleicht Timer, Wecker, Sanduhren stellen und während dessen die Zeit eben nutzen und irgendetwas im Haushalt erledigen, Mails beantworten oder einfach nochmal Tee trinken. Natürlich gibt es trotzdem, und auch je nach individueller Tagesform, Auseinandersetzungen und Diskussionen Rund um das Thema „Geschwindigkeit“, besonders wenn es zusätzlich darum geht pünktlich irgendwo anzukommen.
Es ist auch nicht so, dass wir nun immer entspannt und Tee trinkend in der Sonne sitzen würden. Doch eine gute „Vorarbeit“ die allen Beteiligten und besonders dem Kind Struktur und Klarheit vermittelt und die nicht zu unterschätzende Grundhaltung, die Zeit eben so zu nutzen wie sie sich bietet kann schon sehr Hilfreich sein.

Kommentar verfassen