Molly möchte helfen

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8–12 Minuten

Heute ist ein aufregender Tag. Meine Menschen sind alle zu Hause und wirbeln durch die Wohnung.

Max trägt schon den ganzen Tag seine Spielsachen umher. Papa Jan wischt wie verrückt die Fensterscheiben ab, zwischendurch schüttelt er manchmal den Kopf und brummt in sich hinein. Wenn er genug gewischt, geschüttelt und gebrummt hat sagt er jedes mal: „So ist es gut, jetzt kann der Frühling kommen.“. Danach geht er zu einem andern Fenster seufzt, und fängt erneut an zu wischen, schütteln und brummen. So geht das nun schon den ganzen Tag. Die lustigste Aufgabe hat Mama Lisa. Sie darf alle Schränke und Regale ausräumen. Einfach so, niemand beschwert sich darüber. Ich darf das nicht! Seltsam ist nur was Mama Lisa nach dem Ausräumen tut: Zuerst wedelt sie mit einem bunten Lappen alles ab und danach räumt sie alles wieder ein. Das soll nun einer verstehen?! Meine Menschen nennen das Frühjahrsputz. Dabei ist der Frühling mit der Sonne, den kleine Vögeln und dem frischem Grün doch draußen und er schafft es jedes Jahr ganz alleine das Grau des Winters weg zu fegen und alles zum Blühen zu bringen. Außerdem putzen die Menschen auch im Sommer, Herbst und Winter.

Wie dem auch sei, für mich ist dieser Frühjahrsputz ein Riesenspaß. Kann ich doch gemeinsam mit meiner Familie bis in die hintersten Ecken der Wohnung krabbeln, in den Wassereimern spielen oder in, die von Mama Lisa ausgeräumten, Schränke hüpfen.

Hilfe! Hilfe! Hilfe! Oh, nein! Das laute Monster kommt! Schnell weg hier! Hinauf auf den Schrank! Hier bin ich sicher. Puh, das war knapp. Das Monster heißt Staubsauger. Es ist furchtbar laut und saugt alles ein was ihm in den Weg kommt – bestimmt auch kleine Katzen. Wahrscheinlich verschreckt es auch den Frühling. Die Menschen sagen zwar jedes mal ich bräuchte mich nicht zu fürchten, aber was so laut ist, kann nicht gut sein! Lieber bleibe ich hier oben liegen, lege ein Pfötchen über die Augen und eines über die Ohren und warte einfach ab bis es vorbei ist. Das klappt immer.

Miau, ich höre nichts mehr. Es ist vorbei und wieder einmal konnte ich dem Staub-Saug-Monster entkommen! Erstmal nur vorsichtig ein Pfötchen vom Ohr schieben. Ja – wunderbare Ruhe, auch kein Monster mehr zu sehen. Miau, wie es hier glänzt und strahlt. Tatsächlich sieht es nun ein bisschen mehr nach Frühling aus.

„Ssssss. Ssssss.“ Was ist denn das nun wieder? Aha, eine dicke hässliche Fliege. Jetzt nachdem der Frühling bei uns ist, wollen wohl gleich alle einziehen. Na die werde ich sofort verjagen. Das wird meine Familie freuen, sie mögen nämlich keine Fliegen in der Wohnung.

Die Fliege ist am Fenster, schnell zeihe ich mich die Vorhänge hinauf, hier schnappe ich sie mir. So was blödes, sie ist mir entwischt. Flink zurück auf das Fensterbrett. Hier wird die Verfolgungsjagd fortgesetzt. Huch, fiel da gerade eine Blume hinunter? Na ja, Fliegen jagen ist eben gefährlich. Darum übernehme ich diese Aufgabe ja auch. Meine Familie hatte heute wirklich schon genug zu tun. Jetzt sitzt diese verflixte Fliege auf dem Sessel – genau neben Papa Jan. Ein gezielter Sprung und – oh nein Papa Jan hat seine Arm bewegt. Die Fliege konnte schon wieder entkommen und ich hänge an Papa Jans Arm. Das tut mir Leid. Meine Krallen waren doch für die Fliege bestimmt und nicht für den Arm von Papa Jan. Hoffentlich habe ich ihm nicht weh getan. Kann mich aber vorläufig nicht um ihn kümmern. Zuerst wird die Fliege gefangen. Wo ist sie nur schon wieder hin geflogen? Dort an der Wand summt es verdächtig. Langsam und vorsichtig anschleichen, krallen ausfahren und mit beiden Vorderpfoten auf die Fliege zielen. Schon wieder nichts! Dafür habe ich nun Tapetenfetzten an meinen Krallen hängen. Sehr unpraktisch zum Jagen. Die Pfötchen etwas ausschütteln und weiter geht es. Ich habe schon längst bemerkt wo sich diese verflixte Fliege diesmal versucht zu verstecken. Sie hat sich einfach auf die neue Blumenvase von Mama Lisa gesetzt, so was freches! Sie wird mir nicht noch einmal davon fliegen! Also: Pfote in Position bringen, zielen und schwups ich habe sie erwischt! Na wie habe ich das gemacht?

Schon kommt Mama Lisa ins Zimmer, sie ist ganz aufgeregt vor Freude, reißt sie mir die Vase unterm Pfötchen weg und sagt: „Molly was soll das!? Sieh was du angestellt hast! Nur weil du so eine blöde Fliegen fangen wolltest! Jetzt müssen wir alles wieder sauber machen!“ Was? Kein Lob, keine Leckereien? Ich habe mich so angestrengt und nun werde ich getadelt? Ich wollte doch nur helfen. Mama Lisa redet noch immer. Sie ist ganz schön böse.

Vielleicht brauchen meine Menschen keine Hilfe beim Fliegen fangen. Ich werde mir etwas neues überlegen womit ich sie Morgen überrasche. Für den Rest des Tages ziehe ich mich lieber auf den Schrank zurück.

Heute bin ich ganz alleine zu hause und ich habe mir eine tolle Überraschung für meine Zweibeiner ausgedacht. Ich räume den großen Schreibtisch im Arbeitszimmer auf! Also los geht’s ich habe noch viel zu tun.

Hops – ein Satz und schon bin ich auf dem Schreibtisch. Mal sehen, womit fange ich bloß an? Es gibt hier wirklich eine ganze Menge Arbeit für mich.

Ja, die Stifte sollten mal neu geordnet werden. Am besten ich verteile sie im ganzen Zimmer. So hat man, egal wo man ist immer einen Stift zur Hand – na ja oder zur Pfote. Einfach nur mit dem Pfötchen rollen und rollen und rollen. Wie schön bunt diese Stifte sind. Nein! Jetzt wird nicht gespielt, ich habe doch noch viel zu tun. Also ordentlich weiter rollen und rollen. Wunderbar, alle Stifte sind im ganzen Zimmer verteilt. Das habe ich wirklich gut gemacht. Nun kümmere ich mich um diese komischen kleinen Stapel aus lauter einzelne Blättern. Der ganze Tisch ist voll damit, so hat man ja gar keinen Platz. Das muss ich ändern. Schwups, schwups, schwups und schon liegt alles unten. Aber die Blätter sind noch viel zu langweilig. Dagegen helfen sicher ein paar gezielte Bisse. Das ergibt ein tolles Lochmuster und es sieht gleich viel hübscher aus. Bääähhh schmeckt das scheußlich! Aber was sein muss, muss sein. Schließlich ist es für meine Menschen, da muss eine gute Katze schon mal Opfer bringen. Ham! Puh, ich bin schon ganz schön erschöpft. Jetzt mach ich mal was leichtes. Die Büroklammern müssen noch verteilt werden. Noch liegen sie alle in einem kleinen Schälchen, aber ich finde es viel besser sie auf dem ganzen Tisch zu verstreuen. Das geht ganz einfach. Man muss nur mit dem Kopf kräftig gegen die Schale stupsen und dann ein paar mal mit der Pfote nach links und rechts wedeln. Schon fertig. Zum Schluss nur noch das ganze zerknüllte Papier aus diesem kleinen Korb hier neben den Tisch fischen.

Oh, da kommen die Menschen ja schon wieder. Sie werden sich sicher sehr freuen und mich zur Belohnung den ganzen Abend kraulen. Schnell wieder auf den Tisch zurück. Sie sollen gleich sehen was ich heute alles für sie gemacht habe.

„Molly!!!“ Ja, ja ich war so fleißig, jetzt könnt ihr mich loben und kraulen. „Molly, was ist das denn für eine Unordnung! Alles ist durcheinander! Jan, sieh nur was Molly hier angerichtet hat.“ Was schon wieder kein Lob?! Na ja, aber Papa Jan wird meine harte Arbeit sicher zu schätzen wissen. „Ach du liebe Zeit, hier sieht es ja aus wie nach einem Wirbelsturm. Los raus hier Molly! Ab jetzt sollten wir diese Tür immer schließen.“

Miau, ich verstehe die Menschen einfach nicht. Ich habe mir doch so viel Mühe gegeben, aber niemand hat sich gefreut. Statt dessen sind nun alle böse auf mich. Ich muss das unbedingt wieder gut machen! Oben auf dem Schrank überlege ich mir eine tollen neuen Plan und der wird sie bestimmt begeistern.

Es sind ein paar Tage vergangen und heute ist es soweit. Heute will ich meinen Menschen wieder helfen und dieses Mal werden sie sich auch ganz bestimmt freuen. Dafür lege ich meine Pfote ins Feuer!

Heute räume ich den großen Schrank mit den vielen Schubladen und Türen, der im Schlafzimmer steht, auf. Genau das ist mein neuer Plan.

Jetzt bloß keine Zeit mehr verlieren, als Katze ist man immer sehr beschäftigt.

Schubladen öffnen ist kein Problem für mich, das konnte ich schon als ich ganz klein war.

Mal schauen, was haben wir denn hier? Weich ist es, viele kleine weiche Bällchen sind hier drin. Das sind die Fußschoner der Menschen, Socken sagen sie dazu. Ein ganz schönes Durcheinander. Na, die werde ich erst einmal rausschmeißen, danach werde ich sie hübsch sortieren – natürlich nach Katzenart. Schwup, schwup mal mit der rechten Pfote, mal mit der linken Pfote und mal mit dem Kopf immer wieder schwup und die Socken fallen zu Boden. Miau, ein ganz schön großer Haufen Fußschoner.

Ziemlich verlockend für eine Katze … miau,miau … ein bisschen Spaß ist erlaubt. Yippie ich springgeee so hoch ich kann und plumpse zurück in den weichen Sockenberg. Und noch Mal! Und noch Mal!

Hey, dabei kommt mir eine noch bessere Idee. Die Socken einfach wieder einräumen ist nicht gut genug. Für meine Menschen weiß ich etwas viel, viel besseres. Die Socken schieße ich einfach ins Badezimmer hinüber, dorthin tragen die Zweibeiner sie sowieso ständig hin. Das ist noch viel besser und spart meinen Menschen eine Menge Arbeit. Das wird sie freuen. Als Belohnung darf ich bestimmt die leere Schublade behalten und darin schlafen. Vielleicht legen sie mir sogar eine schöne weiche Kuscheldecke hinein.

Kuller, kuller, kuller und mitten im Badezimmer türmt sich ein neuer Sockenberg auf. Miau, das habe ich mal wieder toll hinbegkommen. Nun habe ich mir doch wirklich ein Schläfchen in meiner neuen Schublade verdient. Schwänzchen nicht draußen vergessen, Kopf auf Pfötchen gelegt, so ist es schön kuschelig. So warte ich auf meine Familie.

„Hallo Molly, wir sind zu hause. Wo bist du denn?“ Oh, das war Max. Mama Lisa und Papa Jan kann ich auch schon hören. Heute begrüße ich sie mal nicht an der Tür. Schließlich habe ich hier die Überraschung vorbereitet. Mal schauen wer mich zuerst findet. „Ich muss mal ganz dringend Mama, ich laufe gleich ins Badezimmer.“ Oh gut, so wird wird Max als erster die Überraschung finden – er versteht mich auch immer am besten. „Mama, Papa hier liegen ja überall Socken herum, ein ganz großer Berg!“ „Oh je, das war sicher wieder Molly. Was hat sie nur in letzter Zeit?“ Das war Mama Lisa und sie klingt mal wieder nicht erfreut. Auch Papa Jan der mich gerade in meiner neuen Schublade gefunden hat, macht ein ganz finstres Gesicht – ich glaube jetzt habe ich ein ganz klein wenig Angst. Er kommt direkt auf mich zu und streckt seine Hand nach mir aus. Soll ich weg laufen?

Puh, er streichelt mich nur und spricht zu mir. Wie konnte ich auch jemals etwas anderes denken, immerhin habe ich die besten Menschen der ganzen Welt. „Ach kleine Molly, was machst du nur ständig für Unsinn und ganz besonders in den letzten Tagen. Was sollen wir bloß mit die machen?“ Und jetzt ruft er den anderen zu „Ich habe Molly gefunden sie sitzt freudestrahlend in einer Schublade. Ich glaube sie ist sich keiner Schuld bewusst.“

Unsinn machen und sich Schuld bewusst sein – ich weiß nicht so genau was das bedeuten soll. Doch meine Menschen scheinen meine Hilfe nicht zu brauchen. Wenn das so ist, suche ich mir jetzt ein bequemes Kissen und putze mein Fell gründlich. Miau.

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